Nachwort: Summer 2011, #1
Es ist recht bezeichnend für eine Season, wenn die Spitze breit und der Rest Schrott ist. Nein, ernsthaft, diese Season hat stolze 4 Anime zu bieten, die man sich getrost anschauen kann. Alles andere ist ein Fall für die Tonne.

Und keiner dieser 4 Anime wird hier Erwähnung finden.
Kopiert und eingefügt des allgemeinen Verständnisses halber wegen:
FYI: Diese Artikelreihe wird wie gewohnt aus einem Dreiteiler nach alphabetischer Reihenfolge geordnet bestehen
, auch wenn ich es nicht sonderlich mag, wie wir uns schrittweise zu den uninteressanteren Titeln heranpirschen, während nahezu alles, was das einfach Volk derzeit in Massen konsumiert, unter den ersten sieben Titeln landen dürfte.
Weiterhin von Notwendigkeit die folgende Erwähnung: Nur weil ich hier vergleichsweise hart mit Serien umspringe, die ihr vielleicht supermegaaffentitelgeil(!!!) findet, heißt das noch lange nicht, dass ich sie automatisch scheiße finde. Das steht dann in den Wertungen. Ich kann schlecht etwas loben, dass sich einzig und alleine aufgrund seines brüchigen Unterhaltungswerts noch in durchschnittliche Gefilde hochrangelt und ansonsten vollkommen 08/15 ist. Das geht einfach nicht.
Auch zu beachten: Ich höre nicht bereits schon nach den Ansätzen auf, eine Serie zu bewerten. Da kommt es vor allem auf die Umsetzung an.

Der vorerst letzte MARVEL-Streich also, wenn man der zweiten Staffel X-MEN keinen Glauben schenken sollte. Vermissen werde ich die Reihe ganz bestimmt nicht, denn auch wenn der Staff jedes Mal ein vollkommen anderer war, die MADHOUSE-Produktionen geizten allesamt an Inspiration, Motivation, flottem Pacing und eben alledem, was eine Geschichte vom gähnenden Durchschnitt abhebt.
Entgegen der allgemeingültigen Landmeinung habe ich jedoch kein allzu katastophales Bild von der Reihe: Die MARVEL-Werke konnte man schauen, wenn man einen gewissen Schnitt pro Season halten und auf Moe konsequent Verzicht üben sollte, dafür waren sie durchaus bodenständig genug, aber das war es eben auch schon, denn zu wesentlich mehr sind sie nicht zu gebrauchen.
BLADE bestreitet auch inhaltlich denselben Weg wie seine Vorgänger: Die Superhelden – ist BLADE überhaupt einer? I dunno… – sind allesamt nicht super, existieren außerhalb ihrer Aufgabentätigkeit quasi gar nicht und sind ja alle so missverstandene Wesen. Bishie Wolverine dürfte vielleicht die Ausnahme gespielt haben, der Rest aber nicht. Man setzt viel zu sehr auf Geplauder und Emotionen, vergurkt das Pacing und trimmt den Stoff somit schon stark japantauglich, auch wenn’s kommerziell nicht hilft und vorerst auch nichts Gutes tun wird. Wer anfangs noch gehofft hat, amerikanischer Wind würde dem gegenwärtigen Zustand der Industrie guttun, der wurde bitter enttäuscht. Ironisch ist dabei auch, dass man die wirklich wichtigen Dinge dann ja doch nicht erklärt: Der Kampf von Gut und Böse mag zwar eine durch und durch simpel gestrickte Handlung sein, die hier extrem linear verfolgt wird, doch spätestens dann, wenn das “Böse” gar nicht einmal so richtig definiert wird, tun sich mir Zweifel auf, für wen oder was genau diese Serien eigentlich alle konzipiert waren. Bei Iron Man wusste ich nicht, was Zodiac ist, X-MEN erklärte mir wiederum nicht im Geringsten, worum es sich denn bei den U-MEN handelt und ich fürchte, auch nach 12 Folgen BLADE werde ich keinen Deut schlauer sein, was es mit der mysteriösen Organisation Existence auf sich hat. Ich meine, ich erwarte ja nicht einmal ein abschließendes Ende, eher einen Cliffhanger, weil wir alle ja aufgrund der bombastischen Verkaufszahlen bisheriger MARVEL-Projekte auch mit weiteren Staffeln rechnen können, aber mehr als ein “Ende? Lest die Comics, wenn ihr wissen wollt, wie es weitergeht!” wäre ja schon zu viel verlangt. Es mag vielleicht der Fall sein, dass Blade das genauso wenig weiß wie wir, was Existence betrifft, aber bitte, dann zeigt uns das auch. Es ist immer schlimm, wenn wir keinen blassen Schimmer haben, wie es um das Wissen der Charaktere besteht.
Dennoch: Entgegen meiner Erwartungen nach der grausig drögen Erstepisode, die man gut und gerne das worst of MARVEL schimpfen könnte, machte sich BLADE im weiteren Verlauf unglaublich solide. Nicht gut, nein, uninspiriert und klischeehaft ist es trotzalledem und die Vampire könnten sich designtechnisch sogar noch an den BLOOD-C-Pendaten orientieren, was ganz bestimmt keine gute Sache ist, aber ich bin zumindest gewillt, dem Geschehen zu folgen und den Blick nicht zum Fenster schweifen zu lassen. Mithin actionorientierte Titel, die diese Season wesentlich mehr Abwechslung zu bieten haben, siehe Sacred Seven oder Dantalian, machen ihr Ding in der Hinsicht um einiges schlechter.
In diesem Sinne: Farewell, MARVEL, bessere dich bis zum nächsten Mal und arrangiere auch ausnahmsweise fähige Leute, denn ansonsten werde ich nichts mehr von dir hören. Angesichts des finanziellen Desasters und der Schäden für alle Beteiligten, die diese Reihe mit sich brachte, wird das allerdings wohl oder übel ohnehin der Fall sein.
6 Daywalker auf der Jagd nach Organisationen, von denen nur die Vorlagenkenner Bescheid wissen.

Hach, BLOOD-C, was fange ich nur mit dir an? Es ist schon direkt bezeichnend, dass beide Vampirserien dieser Season im Alphabet denselben Stellenwert einnehmen und nicht gerade mit Außerordentlichem protzen können. Sie eignen sich auch beidermaßen schlecht für Reviews, wohingegen BLOOD-C allerdings die Spitze darstellt: Würden die Episoden nicht mehr oder minder alle nach dem gleichen Schema ablaufen, könnte man ja auch entsprechende Aussagen über das Werk treffen, aber so… *sigh*
Ich muss gestehen, ich verstehe ja, was BLOOD-C versucht: Die Erwartungen senken und heile Welt spielen, um dann die bitterböse Überraschung zu zücken und dem Zuschauer einen regelrechten Schock einjagen. Vieles kann schließlich auch über den Kontrastbegriff funktionieren, nur ist diese Methodik und insbesondere die Art, wie BLOOD-C sie beherzigt, eine äußerst zweischneidige und ungünstig gewählte. Man stellt sich dabei weit weniger geschickt an als es damals Higurashi tat und auch das konnte nicht so recht vom Vorschlaghammer lassen.
Auch nach 5 Episoden lässt sich nicht viel berichten, der Ablauf variiert schließlich nur im Detailverhältnis: Saya wünscht der Sonne einen guten Morgen, Saya singt davon, wie sie der Sonne einen guten Morgen wünscht, Saya wünscht den Blumen einen guten Morgen, Saya singt davon, wie sie den Blumen einen guten Morgen wünscht, Saya stattet dem örtlichen Cafe einen Besuch, viel Gelächel, viel Gesang, Schwärmereien über Guimauve(das ist eine Süßspeise, die mir jetzt schon zum Hals heraushängt, obwohl ich sie noch nie gesehen habe), Saya schwärmt die liebe lange Folge über von ihrem Vater, Saya kommt zu spät, die Klasse neckt sie, die Schulglocke, Yada Yada im Pausenhof, Saya gabelt Tokizane auf, “WHY SO RONERY;_;? EAT MAH BENTO!”, Yuuka seufzt, Itsuki versucht sein Glück bei Saya und scheitert abermals(dieser Abschnitt ist sogar tatsächlich fast schon immer wieder aufs Neue sehenswert), Ausflug durchs Dorf, Yada Yada, so eine langweilige Kleinstadt aber auch, die Dämmerung nähert sich, plötzlich SRS BSNS, Saya, pass gut auf dich auf und lass dich fei net von den Monstern verschlingen, genug fürsorgende Worte vom Vater, Action, die ersten 3/4 dominiert der Gegener, beim letzten haut Rotaugen-Saya auf den Putz, Ende. Und ach, sie müssen jede Folge aufs Neue erwähnen, wie schön doch das Wetter ist. Man sieht: Es krankt nicht nur an Abwechslung, auch inhaltlich vergrault man mit schierer Bedeutungslosigkeit, die einzelnen Segmente tendieren von “schwach” über “klischeehaft” bis gar “nervtötend” und das einzige, was wirklich gut gemacht ist, ist die Action, die aber dann auch richtig. Das Charakterdesign der Gegner mag zwar schon so einfallslos sein, dass es fast wieder bahnbrechend innovativ ist und erinnert allgemein mehr an Ungetüme, die ihr nicht einmal in den handelsüblichen Doujinshi finden werdet, doch die Action-Sequenzen sind zumindest vergleichsweise lang, gut animiert und auch gut in Szene gesetzt und nicht, wie es üblicherweise bei Anime der Fall ist, von vielen Schnitten zersetzt.
Was bleibt, ist also eine Serie, die 5 Folgen über Geduld fordert und sich konstant beim Zuschauer entschuldigen muss, während sie ihm parallel Hoffnungen macht. Versteht mich nicht falsch, die habe ich schon: So, wie die Serie stets selbst betont, dass die Stadt schon geradezu erschreckend leblos ist, weckt sich bei mir hoffnungsvoller Argwohn und es machen sich auch Zweifel breit, was allgemein Sayas Umfeld betrifft, ich möchte also definitiv erfahren, was hinter alledem steckt. Ich glaube nicht weniger, dass man mit der durch und durch repititiven Erzählung der Geschichte eine herausragende Meta-Ebene schaffen kann und derzeit auch dabei ist. Eine clevere Spielerei ist somit allemal drin. Doch das ist Potenzial und bis dato nichts von dem, was die Handlung bisher auf dem Silbertablett präsentieren könnte, denn die eigentliche Ware ist bisher schon arg dürftig gehalten.
Kurz und gut: Eine Serie, die so ziemlich alles auf eine Karte setzen dürfte. Ob sich die Investition dann auch auszahlen wird, ist eine andere Sache, bisher saßen wir jedenfalls am anderen Ende der Nahrungskette. Und was die Zensur betrifft… naja, die wird wohl auch in Zukunft dafür sorgen. Das einzige, was man soweit richtig macht, ist das Opening und das trieft nur so vor Engrish. Und Französisch, das klingt wie… wer weiß, Türkisch?
So 4,5 von 10 wunderschönen Tagen.

Phew. Diese Serie bereitet mir beim Einschätzen von allen Anime der Season wohl die meisten Probleme und das liegt nicht nur daran, dass man uns jede Episode eine völlig anderer Geschichte mit wieder anderer Qualität auftischt. Eine Konsistenz ist schon fast gar nicht mehr feststellbar und das bereitet mir arge Schwierigkeiten.
Zuerst einmal zum Grundgerüst: Huey und Dalian befinden sich auf der Suche nach Phantombüchern. Das ist alles und sonderlich viel mehr lässt sich über diese Serie tatsächlich nicht aussagen. Prinzipiell kann man ja auch auf dieser Basis eine gute Handlung errichten, so sehr man sich bei Anime nur allzu gerne unter Wert verkauft, nur scheitert Dalian daran eigentlich rigoros. Das fängt schon beim Zielpublikum an: Otakus. Dalian ist eine Gothic Lolita-Tsundere mit einem Hang zu Süßigkeiten und so ziemlich der schamloseste Victorique-Ripoff, den man je zu Gesicht bekommen würde, wäre da nicht noch Kamisama no Memochou, das uns zeigt, wie sehr Japan in 2 Seasons mit 3 spezifisch-identischen Serien die Ideen ausgehen. Es ist und bleibt ein Trauerspiel.
Dann wäre da noch Huey, den man schlechterdings einfach nur getrost als “Dalians Werkzeug” abstempeln kann. Er gestaltet sich zwar lobenswerterweise etwas anders und auch besser vom üblichen Katastrophen-Protagonist, ist er so z.B. kein Japaner, kein Mittelschüler und erhabenswerterweise mit der Kompetenz gesegnet, die vielen anderen Hauptcharakteren fehlen, aber letzten Endes nichtdestotrotz kaum mehr als etwas, das Dalian herumkommandieren und leiten kann. Und da man die restlichen Charakter, die so flach wie Pappfiguren sind, eh vergessen kann, ergeben sich schon einmal keine sonderlich spannenden Charakterinteraktionen, wenn man mal von der ein oder anderen gelegentlichen Neckerei des Duos absehen kann. Hey, Nihon, schau mal, wie das Tiger & Bunny macht und lerne dazu. Kotetsu mag zwar nicht der Schlaueste sein, aber er ist zumindest kein gottverdammt hirnloser Schwamm wie Kujo, den man nach Belieben auspressen kann und der seinen Dienst auch weiterhin ohne Gegenwehr verrichten wird und auch kein Werkzeug wie Huey, das auf seine Handlungen beschränkt ist.
Wären wir also bei den Phantombüchern: Klassischerweise bekommt man die durch einen Kampf, der mit einer Reise ins nächstgelegene Schloss verbunden ist. Oder aber man lässt sie sich von kleinen Kindern überreichen, ihr habt die Wahl. Was die stellenweise vorhandene Action selbst betrifft, spart man je nach Folge nicht unbedingt am Budget, jedoch noch weniger an Recycling, dafür aber umso mehr an Dynamik. Jeder einzelne Konflikt wurde bisher mit Büchern geregelt. Ähem. Bücher. Aus denen liest man dann einzelne Passagen vor und wenn der Feind dumm genug ist, das tatenlos mitzuverfolgen, ist der Sieg euer. Wenn nicht, dann… tja, was dann passiert, müssen wir immer noch erfahren.
Was die Qualität des Scripts actiontechnisch betrifft, gilt dabei eigentlich auch für den Rest der Serie: Die einzelnen Episoden funktionieren nicht, sie sind unschlüssig, konstruiert, billig und absehbar. So sehr sich diverse Aspekte dieser Serie auch loben lassen, so sehr kann man die Episodenscripts, die mithin zu den schlechtesten dieser Season gehören, nur strafen. Und was dieses ganze Gezeter schließlich als Endresultat übersteht, ist eine Show, die sich kompetent gibt, es jedoch ganz und gar nicht ist. Sieht hübsch aus, macht bei genauerer Betrachtung aber erschreckend wenig her.
Oh, aber eines zumindest macht die Serie erträglich: Das schöne Opening, das ist nämlich wirklich stark.
Zu lang, habt ihr also sowieso wieder alles nicht gelesen: Dantalian stellt jede Folge etwas vollkommen Anderes und gleichzeitig vollkommen Bescheuertes an. In der aktuellen Folge hat man anscheinend mal einfach die Protagonisten ersetzt, also… jaaaah…
4,5 von 10 grauen Wölfen. Oder war das jetzt etwa die falsche Serie? Ach, auch egal. Hauptsache, ich habe meine gar nicht mal so guten GAINAX-Animationen und die Welt ist glücklich.

So, jetzt wird’s spaßig. Ich soll rund 500 Wörter um einen Anime schreiben, dessen übliche Laufzeit lediglich 4 Minuten in Anspruch nimmt, Ending miteingerechnet. Soll heißen, eine halbe Tausend für 21 Minuten, Ending immer noch miteingerechnet, ohne wären es nämlich nur 17,5. *shudder*
Das Leben eines Bloggers ist kein Leichtes, merkt euch das. Euch stellen sich an jedweder Straßenecke zahlreiche Herausforderungen entgegen, die es zu meistern gilt und von denen ihr bis dato gar nicht wusstet, dass es sie überhaupt gibt. Und wenn ich bedenke, dass ich hier mein Schießpulver im Drumrumreden bereits restlos aufbrauche, während noch ein zweiter Kurz-Anime ansteht, wird mir schon ganz Angst und Bange. Phew.
Oh, was soll’s, führt schließlich kein Weg vorbei. Aufgegabelt habe ich Double-J bei escapistolero, der meinte, das Ganze sei recht gut aufgezogen und bizarr-spaßig. Kann ich so eigentlich ebenso unterstreichen, wenn auch nur mit Vorbehalt.
Ein typischer Double-J-Gag könnte so aussehen:
- “Wow, fertigst du da gerade etwa Zahnstocher an?”
- “Nein, ich bin lediglich für die Einkerbungen zuständig. Macht meine Familie schon seit Jahren.
- “Also machst du Zahnstocher?”
- “Nein, wie ich gerade sagte, nur die Einkerbungen.”
- “Aber warum denn?”
- “Sagte ich doch, meine Familie ist dafür zuständig.[Langsam wird's arg repititiv]“
~ “Oh mein Gott, ich bin bewegt. Ich wusste bisher nicht, dass Zahnstocher von verschiedenen Personen angefertigt werden.”
WITZ KOMM RAUS, DU BIST UMZINGELT. Nonsense-Talk ist aber auch sowas Großartiges. Also, von welcher Seite aus isst man das Shokohörnchen nun?
Es ist halt schon flach. Extrem flach. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran und die Serie bleibt Gott sei Dank nicht bei Zahnstochern hängen.
Was bei Double-J gefällt, ist also nicht der Witz, sondern die Idee dahinter. Die ist nämlich weit kurioser als der Witz selbst. Und das fruchtet. Wobei es natürlich auch vermessen wäre, zu sagen, man könnte an den einzelnen Gags nicht seinen Spaß haben, wenn Mangaka auf Abwegen sind und einsehen müssen, dass boxende Tiere schlichtweg unrealistisch und somit ein klares No-Go sind, währendhingegen sprechende Tiere völlig in Ordnung gehen. Und nicht zuletzt steckt in einigem viel Wahrheit(“Der heutige Manga-Leser braucht keine Story, ihm reichen Alltagsgeschichten von Mädchen mit großen Kulleraugen vollkommen aus!”).
Schmunzeln muss ich dabei ab und an auch wie beim anderen Kurz-Anime dieser Season: “In der letzten Folge wurde bekanntgegeben, dass unser Klub geschlossen wird. Wäre das ein Cliffhanger oder irgendetwas in der Art gewesen, wäre das sicherlich keine schlechte Idee. Doch auch diese Hürde haben wir überwunden.” – Jepp, haben sie. Offscreen und nie auch nur erwähnt wie. Das Trauerspiel ist nur, dass andere Serien das sogar ernsthaft durchziehen.
Wie gesagt: Das Ideenreichtum der Serie ist abschnittsweise enorm, als reinrassige Comedy funktioniert das Vergnügen jedoch nur begrenzt. Da beispielsweise nahezu jeder Charakter in Double-J einem uralten, traditionellen Kunsthandwerk nachgeht(ihr wisst schon… Zahnstochereinkerbungen, Manga der etwas anderen Art… solche Sachen eben), hat man sich entschieden, Folge 7 als einen Live Action-Part mit Besuch einer Gläserei aus dem Rahmen fallen und die Charaktere mit echten Menschen interagieren zu lassen. Das sieht dann in etwa so aus. Inhaltlich war’s unsagbar fade und belanglos und dennoch komme ich nicht umhin, das Projekt für diese Idee zu loben.
Animiert ist das Ganze als Flash-Special dabei noch weit spärlicher als Morita-san. Ihr habt 4 Charaktermodelle, sollen sie in die andere Richtung schauen, spiegeln wir sie halt. Mehr als 10 Yen Budget dürften dabei nicht draufgegangen sein und juhuu, ich liebe Statik samt umwerfender Framerate. Ich denke, es wäre sogar fair, zu sagen, dass das Ending wahrscheinlich mehr Geld als der ganze Rest der Serie verschlungen hat. Hinzufügt sei, dass es ein durchaus sehenswerter, wenn auch kurzer Augenschmaus ist.
Summa summarum also 5,5 Zahnstocher(mit oder ohne Einkerbungen?) an Double-J.

Ich will mir nichts vormachen: Higurashi war schon von Anfang im Gegensatz zum Bruder Umineko(der dann einen finanziellen Misserfolg zu verbuchen hatte…) auf das Publikum der Otakus zugeschnittene Geschichte und hatte dabei auch so seine lieben Stereotypen im Gepäck und ohne Zauberformel “cute girls” hätte der Anime vielleicht auf mehr Ebenen als nur auf finanzieller nicht so gut funktioniert. Trotzalledem war Higurashi eine gute Serie. War. Das kann man nun leider nicht mehr behaupten. Mit “Wenn sie weinen” ist nämlich neuerdings der Zuschauer gemeint.
Ryukishi07 ist jemand, der versporrene Geschichten für Otakus schreibt, das muss man einsehen. Er zielt ganz bestimmt nicht die große Masse oder das noitaminA-Publikum an, dafür legt er für sich selbst zu viele Grenzen fest. Doch der gute Mann kann sein Handwerk: In dem ihn gegebenen Raum mitsamt aller Konvergenzen funktionieren seine Geschichten erstaunlich gut, denn er holt alles aus dem Platz, der ihm zur Verfügung steht, raus. Higurashi war ein schockendes Kontrasterlebnis, das auch mit den Perspektiven und der Wahrheit spielte und schlussendlich, nach langer, langer Zeit aus all den Puzzleteilen ein Kollektiv mit dem nötigen Zusammenhang ergab, Umineko wiederum eine Handlung, die mit Meta-Ebenen, sinnigen Argumentationswettstreiten und Repititionen spielte und sich dabei zelebrierte wie kaum ein anderer Anime. Man sieht also: Auch wenn die Basis nicht die beste sein mag, man kann mit genügend Eifer und Willenskraft unglaublich viel auf ihr errichten. Ryukishi07 sehe ich insofern als Vorbild für den Moe-Kult – er zeigt, dass man eben auch anders kann.
Umso erschütternder sind dann Projekte im Stile der OVA-Reihe Rei oder nun eben Kira. Sie unterscheiden sich in keinsterweise von der Primitivität und Zweckmäßigkeit aktueller Anime, die nur aufs Verkaufszwecken und nicht der inhaltlichen Stärken wegen existieren. Genauer genommen sind sie sogar noch verwerflicher: Sie schlachten eine Marke ab, mit deren Qualitätsstandards sie nichts zu tun haben und appellieren dabei dreist an den Hardcore-Fan. Wolltet ihr nicht immer schon einmal sehen, wie Rika mit ihrem Hinter die Fenster wischt, Satoko Keiichi den Rücken mit Schaum und Seife einreibt, die dunklen Geheimnisse des Angel Morts ans Tageslicht finden oder Lehrerin Chie posieren darf? Dann habt ihr eure OVA gefunden. An alle anderen: Pech gehabt. Mit dem, was Higurashi ursprünglich auszeichnete, hat Kira im Endeffekt so viel gemein wie die Grand Theft Auto-Reihe mit Humanismus. Higurashi ist tot. Zu Grabe getragen von seinem eigenen Erfolg und dem hemmungslosen Schrei nach mehr.
Nun muss das alleine für sich aber nichts heißen, was das Werk betrifft: Ob Higurashi oder nicht, das sei mal dahingestellt, die OVA könnte dennoch gut sein. Ist sie jedoch nicht. Mit Humor hat Ryukishi07 noch weniger Begabung als mit dem Zeichenstift, denn unterm Strich kommt nicht viel mehr raus eine Stammtischbesprechung, die fantasiert, in welchem Licht des Sex sells man Keiichis Klassenkameradinnen noch auf ganz andere Art und Weise erstrahlen könnte. Das ist die Art von Witz, die nicht tatsächlich von ihrer Komik lebt, sondern davon, dass sie ist, wie sie ist und im Bereich der Perversionen und Anime-Klischees, die kein Mensch braucht, habe ich Dinge gesehen, die schon so viel besser und trotzdem schlecht waren, angefangen mit dem üblichen Getsundere.
In diesem Sinne: Ein dozo für die Otakus, alle anderen mögen Abstand wahren, so ist es für alle Beteiligten das beste.
3 von 10 Fanservice-Zikaden.
Ach ja, ehe ich es vergesse:
Dieses Gefühl, wenn BLADE und ein Flash-Anime von allen Kandidaten am besten abschneiden.
Und nun kommentiert, meine Statistiken haben es nötig und brauchen eure Hilfe.
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- Published:
- 20. August 2011 / 3:50 PM
- Category:
- Anime, Anime Seasons, BLADE, BLOOD-C, Dantalian no Shoka, Double-J, Higurashi no Naku Koro ni

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